In letzter Zeit geistern in meinem Kopf immer öfters ein paar Gedanken herum, die ich heute einfach mal in einen Blog-Artikel zwänge:
Gehirn und Gesellschaft
Wir sind ausgestattet mit einem Gehirn, das ziemlich alt ist. Eine Art Betriebssystem, dass alle alten Versionen gut integriert hat. Ich schrecke mich nicht selten, wenn ich ein schlangenähnliches Ding oder einen Ast auf der Straße sehe, springe mit einem lauten Schrei in die Luft, wenn sich mir beim Laufen tatsächlich dann eine harmlose Natter vor die Füße schlängelt. Das ist schon komisch irgendie, oder?
Ich kriege Aggressionen, wenn mir im Auto an der Kreuzung jemand den Vogel zeigt und hab immer wieder ziemlich Angst, neue Wege zu beschreiten. Das macht mein Betriebssystem und es ist wunderbar so, denn hätte ich dieses Gehirn nicht, wer weiß wie viele Schlangen mich schon gebissen, wie viele Autos mich überfahren oder wie viele Firmen ich in den Sand gesetzt hätte. Ganz zu schweigen von den vielen Blockhütten in irgendwelchen entlegenen Erdteilen, die unnütz herumstünden, weils mir dann doch wieder nicht so gepasst hätte. Unserem Gehirn entkommen wir nicht, vor allem nicht dem hinteren Teil davon, vorne können wir schon ein wenig herumwatscheln und das eine oder andere Bild verrücken, glauben wir zumindest.
Es wird noch komplexer: Wir sind mit diesem Gehirn hineinkonditioniert in Gesellschafts- Denk- und Glaubenssysteme, die uns ziemlich klar vorgeben, was normal ist und was von dieser Norm abweicht.
Dieses Hineinkonditionieren und Abschleifen unserer Denkstrukturen durch Entbindungs- und Erziehungsmodi, durch mahnende Eltern, hemdsärmelige Nachbarn, strenge LehrerInnen, gottesgesetzlich verankerte Priester oder großflächige Plakatwände machen uns gesellschaftstauglich. Sie impfen uns jene Imperative und Glaubenssätze ein, die dann für ein möglichst reibungsloses Funktionieren sorgen sollen. Mittig, gerade durch, ohne ein Anecken. Kommen wir aus dieser Bahn, wirds schnell einmal eng und kantig.
Alle, die von Natur aus schon ein wenig anders auf die Welt kommen, deren Körper vielleicht nicht so der Norm entsprechen, deren Denken vielleicht ein wenig anders ist, die integrieren wir, sagen wir, aber die nehmen wir in Wirklichkeit nicht für voll. Nein, die werden halt gutmütig hereingenommen in unsere Mitte, in die Norm. Weiterlesen →